GENAU BETRACHTET

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Erinnerung an den Distelverein

Nein, hier folgt kein weiterer Kommentar zum Wahlkampf. Daher: Glyphosat. Weil zuletzt doch noch als Wahlkampfthema hochgezogen. Dabei scheint die Frist für Roundup & Co enden wollend. Eine Verlängerung der Zulassung, wie von der EU-Kommission forciert, könnte für die Landwirtschaft zum Pyrrhussieg werden. Große Abnehmer, Verarbeiter wie auch Handelsketten, werden wohl Logos „aus glyphosatfreier Produktion“ kreieren. Und Waren ohne solchen Nachweis aus dem Regal verbannen. Gegen Konsumtrends, noch dazu wegen vermeintlicher Gesundheitsaspekte, lässt sich schwer ankämpfen. Besser lässt sich damit Geld verdienen.
Österreichs Landwirtschaft braucht kein Glyphosat, meinte vor gut einem Jahr der Agrarminister. Und zog sich damit endgültig den Unmut einiger Ackerbauern zu, für die das aus ihrer Sicht unbedenkliche Unkrautgift ohne Alternative ist – wie einst auch Atrazin. Vor allem Maisbauern fürchten das Verbot, wegen der häufigeren Bodenbearbeitung im Frühjahr in Hanglagen: Glyphosat sei unabdingbar nach Winterbegrünungen, gut für Erosionsschutz. Dass speziell Mais auf mehr als 3 Prozent Hangneigung wegen der Gefahr der Erdabschwemmung nichts verloren hat, wird unter den Tisch verkehrt. Weil unter „guter fachlicher Praxis“ jeder anderes versteht – und propagiert.
Apropos Erosionsschutz: Im „Corn Belt“ der USA legen die Farmer inmitten der Riesenfelder wieder Schutzflächen gegen den Bodenabtrag an. Diese Kehrtwende ruft Erinnerungen an frühe Distelverein-Aktivitäten der späten 1980er Jahre wach. Leider nicht bei allen.